Fotoausstellung: Konstruktion im Blick - Ursula Becker-Mosbach Fotografie 1950 – 1970, noch bis zum 13.07.2019

Im Rahmen des Hamburger Architektursommers 2019 präsentiert die Hamburgische Ingenieurkammer - Bau eine Fotoausstellung mit Bildern der Architekturfotografin Ursula Becker-Mosbach.

Fast 30 Jahre lang arbeitete die Fotografin Ursula Becker-Mosbach vor allem in Hamburg. Mit den Aufträgen von bekannten Architekten der Nachkriegsmoderne sowie großen Bau- und Industrieunternehmen entstanden eindrucksvolle Dokumente aus der Aufbauphase der Hansestadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Ursula Becker-Mosbach (1922–2002) war nicht nur Architekturfotografin, die ihre Arbeit neben anderen bekannten Kollegen in wichtigen Zeitschriften und der Tagespresse veröffentlichte. Mit wachem Blick und einem bestechenden Auge hielt sie die Veränderungen des Stadtbildes fest und schuf auf Baustellen und in Fabriken Zeitzeugnisse der Industrie, die in den 1950er und 1960er Jahren mit Stolz ihre wachsende Leistungskraft gerade auch durch qualitätsvolle Fotografie dokumentieren ließen.

Ihr eigener Anspruch an das fotografische Handwerk zeigte sich in der konsequenten Nutzung einer Plattenkamera, deren schwere Glasnegative sie nicht abhielten an schwierigen Standorten in Baugruben oder auf Gerüsten die besonderen Ausschnitte und Blickwinkel einer bildwürdigen Situation zu finden. Ihr handwerkliches Können hatte sie zu Kriegszeiten an der renommierten Lette-Schule in Berlin erlernt, aber erst an der Landeskunstschule in Hamburg entwickelte sich das Künstlerische. Ihre besondere Begabung veranlasste den Leiter der Fotoklasse in der Landeskunstschule, Prof. Grubenbecher, 1951 dazu, Studienarbeiten von Ursula Becker-Mosbach mit auf die wichtige Ausstellung „Subjektive Fotografie“ nach Saarbrücken zu nehmen. In Hamburg lernte sie die Erweiterung der Gebrauchsfotografie hin zu einer experimentell eingestellten Arbeit, bei der das Bild formal und inhaltlich gestaltet wurde. Der Einfluss der „Neuen Sachlichkeit“ in der Fotografie sollte für Ursula Becker-Mosbach prägend werden.

Die Ausstellung, die von der Hamburgischen Ingenieurkammer-Bau veranstaltet wird, präsentiert erstmals in diesem Umfang einen beeindruckenden Ausschnitt des Werkes von Ursula Becker-Mosbach. Mit dem Schwerpunkt des Ingenieurbaus zeigt sich die architektonische Nachkriegsmoderne nicht nur aus einem neuen Blickwinkel, sondern legt die während der Bauphasen gut sichtbaren konstruktiven Leistungen der Ingenieure frei, die sonst nach Fertigstellung und in der reinen Architekturfotografie meistens im Verborgenen bleiben. Dazu zählen unter anderem die Stahlskelette der Grindelhochhäuser, die Spannbetonsegmente der Faulbehälter des Klärwerkes Köhlbrandhöft sowie die von H.C.E. Eggers und der Howaldtwerft errichteten Stahlbauten. Außerdem gibt es Bilder mit Tragwerken, Räumen und Maschinen von Kraftwerken der Hamburgischen Electrictätswerke, die mittlerweile wertvolle historische Dokumente geworden sind. Neben der Vermittlung dieser zeitgeschichtlichen Inhalte ist es aber vor allem der besondere künstlerische Blick der Fotografin, der die Alltäglichkeit der Formen, Flächen und Strukturen von rauen, industriellen Produktionswelten in eine faszinierende Ästhetik der Technik umformt.

(Text: Sven Bardua und Sabine Kock)

Laufzeit:
29.05.2019 – 13.07.2019

Öffnungszeiten:
Mo-Sa 12:00 bis 19:00 Uhr

Ort:
Levantehaus Hamburg
Galerie im Hochgeschoss
Mönckebergstraße 7, 20095 Hamburg