Verformungen im Stahlbetonbau – Praxisgerechtes Abschätzen und Berechnen

Seminar HIK202.01

Einleitung: 

Der in der Praxis tätige Ingenieur steht heute häufig vor der Aufgabe, den aus den architektonischen Ansprüchen entstehenden Forderungen nach schlanken Bauteilen und großen Spannweiten gerecht zu werden. In der Regel sind es nicht die Nachweise im Grenzzustand der Tragfähigkeit, die in solchen Fällen im Vordergrund stehen, sondern der im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit zu führende Nachweis der Verformungen.

Thema

Mit der Einführung der DIN EN 1992-1-1 wurden die einfachen Biegeschlankheitskriterien der DIN 1045-1 durch Biegeschlankheitskriterien ersetzt, die eine Vielzahl von Einflussparametern berücksichtigen. In der Regel ist nun ein iteratives Vorgehen bei der Festlegung der Decken- und Balkenhöhen notwendig.

Alternativ dazu besteht auch die Möglichkeit, die tatsächlich auftretenden Verformungen direkt zu ermitteln und mit zulässigen Verformungen zu vergleichen. Hierzu ist eine Verformungsberechnung auf der Grundlage nichtlinearer Materialgesetze unter Berücksichtigung des Schwindens und Kriechens erforderlich. In vielen praktischen Fällen ist dieses Vorgehen häufig der einzig sinnvolle Weg zur Vermeidung von Unterdimensionierungen, wenn beispielsweise das reale System nicht den für den Nachweis der Biegeschlankheiten vorausgesetzten „Normalbedingungen“ entspricht.

Viele der in der Praxis verwendeten Statik-Programme bieten heute die Möglichkeit, solche Verformungsberechnungen auf der Grundlage nichtlinearer Materialgesetze durchzuführen. Der in der Praxis tätige Ingenieur muss als Anwender eines solchen Programms zwingend ein solides Basiswissen über nichtlineares Berechnen im Stahlbetonbau besitzen, um die Vielzahl der zu definierenden Programmparameter festlegen und die Berechnungsergebnisse interpretieren zu können.
Das Seminar dient dazu dieses Basiswissen im Rahmen von Fallbeispielen zu vermitteln.

Inhalt

• Darstellung der wesentlichen die Verformung von Stahlbetonbauteilen beeinflussenden Parameter
• Vereinfachter Nachweis der Verformungen ohne direkte Berechnung
­ Darstellung der in unterschiedlichen Normen, Richtlinien und Publikationen formulierten Beziehungen für die Grenzwerte der zulässigen Biegeschlankheit
• Expliziter Nachweis der Verformungen
­ Grundlagen
­ Materialgesetze
­ Praxisgerechte Berechnungsprogramme zur nichtlinearen Verformungsberechnung

• Ausführliche Anwendungsbeispiele
­ Verformungsberechnungen für einachsig gespannte Deckenplatten mit großer Spannweite
­ Verformungsberechnungen für stabförmige Bauteile
­ Verformungsberechnungen für zweiachsig gespannte Deckenplatten
­ Verformungsberechnungen für Flachdecken

In diesem Teil des Seminars werden die Verformungen rechnergestützt mit Hilfe von physikalisch nichtlinearen Berechnungsprogrammen ermittelt.
Nach Abschluss dieses Seminarteils sollten die Teilnehmer in der Lage sein, Verformungsberechnungen unter Berücksichtigung des Aufreißens der Querschnitte (Zustand II) sowie der Einflüsse aus Schwinden und Kriechen durchzuführen.

Der Schwerpunkt des Seminars liegt nicht auf der theoretischen Betrachtung von nichtlinearen Verformungsberechnungen, sondern soll den in der Praxis tätigen Ingenieur in die Lage versetzen, physikalisch nichtlineare Berechnungen verantwortungsvoll durchzuführen.

Referent(en)

  • Univ.-Prof. Dr.-Ing. Klaus Liebrecht, HafenCity Universität Hamburg

Teilnehmer

Das Seminar wendet sich an Tragwerksplaner aus Ingenieurbüros und Baufirmen, Mitarbeiter der Verwaltung sowie Prüfingenieure.

Termin

Dienstag, 18. August 2020
09.30 – 13.00 Uhr

Durchführung als Präsenz-Online-Kombination.
Achtung, weiterer Termin am Montag, 24. August 2020.

Teilnehmergebühr

Mitglieder: 100.00 €

Gäste: 150.00 €